1. Die Zeit vor der Gründung der FF Reichenhall

Der erste Brand, welcher in einer bayerischen Chronik niedergeschrieben wurde, geschah im Jahr 954, als die Ungarn eine Siedlung namens Hal verwüsteten und niederbrannten.

Im Jahre 1040 kamen bei einem Brandanschlag im heutigen Karlstein 50 Menschen ums Leben, als 2 Brüder ihren Onkel ermordeten und dessen Häuser anzündeten.

Im Jahre 1171 überfielen die Salzburger die Siedlung „Halle in Baiern“ und brannten sie nieder. Im Zuge der Auseinandersetzung mit Salzburg wurde die Siedlung im Jahre 1196 erneut in Schutt und Asche gelegt.

In den Jahren 1424 und 1448 waren zum Teil schwere Großbrände durch Unvorsichtigkeit zu verzeichnen.

Das Stift und Kloster St. Zeno wurde im Jahr 1512 durch Blitzschlag fast völlig zerstört.

Im Jahre 1515 hatte eine Magd namens Christina die Unterkunft ihrer Arbeitskollegin in Brand gesteckt. Durch einen starken Wind angefacht, breitete sich das Feuer binnen einer Stunde in der ganzen Stadt aus und legte diese in Schutt und Asche. Nur ein Brunnenschacht und das Kloster St. Zeno blieben verschont.

Am 8. November 1834 brach in der königlich bayerischen Saline ein Feuer aus. Durch grobe Fahrlässigkeit der Arbeiter waren Holzscheite in Brand geraten. Aufgrund des Besuches des Generaladministrators der Bergwerke und Salinen wurde dieser Umstand verheimlicht und 4½ Stunden nach dessen Entdeckung stand bereits das Dach des Sudhauses in Flammen. Der Brand konnte sich in der Folge durch ungünstige Windverhältnisse rasch ausbreiten (siehe zweites Bild).

 

 

Trotz der eingesetzten 14 Fahr- und Tragespritzen der Saline und einer Vielzahl von ledernen Feuereimern konnte kein nennenswerter Löscherfolg erzielt werden. Dies lag zum einen daran, dass die Mannschaften hierfür nicht entsprechend ausgebildet waren und es zum anderen an erfahrenen Führungskräften mangelte.

Dieser letzte Großbrand vor Gründung der Feuerwehr kostete 11 Menschen das Leben und 500 Familien wurden obdachlos.


2. Die Gründung der „Turner Feuerwehr“

Eine Vorführung der Freiwilligen Feuerwehr Augsburg im Rahmen des 3. bayerischen Turnfestes, begeisterte den damaligen Vorstand der Reichenhaller Turner derart, dass er beschloss, auch in Reichenhall eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Noch im gleichen Jahr setzte er seine Idee in die Tat um und so gründete man am 01. September 1865 aus den Reihen der Turner die „Freiwillige Feuerwehr Bad Reichenhall“ (Die Abbildung zeigt die Gründungsurkunde).

Den 24 Wehrmännern stand lediglich eine alte Druckspritze als Ausrüstung zur Verfügung. Aus Spenden der „München-Aachener-Mobiliar- und Feuerversicherungsgesellschaft“ und aus den Gewinnen von sog. Anteilsscheinen konnte man innerhalb kurzer Zeit das technische Fundament für die Feuerwehr beschaffen. Dieses bestand aus einer „Beduell’sche Druckspritze“, einer Schubleiter Augsburger Modell, Messinghelme, ein Sprungtuch und 300 Fuß Hanfschläuche.

Als erster Kommandant wurde am 28. November 1866 Josef Ziegler gewählt, sein Stellvertreter wurde der Gründer: Anton Zellner. Als erster Vorstand wurde am 2. Dezember der Stadtkämmerer Andreas Kamel ernannt.

Am 10. Oktober 1867 wurde eine zweiräderige Zug- und Druckspritze bei der Firma Beilhack in Rosenheim gekauft. Später wurde vom damaligen Schmiedemeister Rudhardt ein Protzwagen für die neue Druckspritze gefertigt, so dass die Feuerwehr Bad Reichenhall über eine der modernsten Landspritzen verfügte. Die Geräte wurden im Rathaus gelagert und im Bedarfsfall von Hand oder mit Pferden zum Brandort gezogen.

Bereits am 3. September 1865 wurde die Feuerwehr zu ihrem ersten Einsatz in Bayerisch Gmain gerufen. Am 09. April 1866 wurden im „Brändeverzeichnis“ zwei Einsätze in Salzburg verzeichnet, am 13. April 1866 beim Pfannhäuser in Reichenhall, sowie am 27. Juni in Aufham und am 28. Dezember in einer Brauerei in Reichenhall. 1867 gab es drei Großbrände im österreichischen Gmain, in Piding und in St. Zeno beim Kugelstatter durch Funkenflug aus einer Lokomotive. Im Jahre 1868 kam zu folgenden Großbränden: 3. Januar - Großfeuer in der Poschenmühle in Marzoll; 11. Mai - Großbrand im Schoppenstadel in Salzburg; 11. Juni – Dachstuhlbrand in Kirchberg; 11. August – Großbrand beim Poschenbauern in Piding; 30. August – Großfeuer in Oberndorf.

Als äußeres Zeichen erhielt die Wehr eine Standarte von der Zunft der „Feuerarbeiter“. Diese Standarte wurde neben dem Kommandanten getragen und zeigte durch eine Laterne an der Schaftspitze den Standplatz des Kommandanten auch bei Dunkelheit an. Diese erste Standarte wird heute im Feuerwehrgerätehaus in Bad Reichenhall aufbewahrt.

Im Jahre 1870 wurde das erste Florianifest gefeiert. Diese Tradition wird bis heute gepflegt. So versammelt sich die Feuerwehr Bad Reichenhall einmal im Jahr im Herbst zum gemeinsamen Gottesdienst, zu Rechenschaftsberichten, zu Beförderungen und Ehrungen verdienter Mitglieder und zum gemütlichen Beisammensein.

Am 16. Juli 1871 verstarb der erste Kommandant Josef Ziegler. Sein Nachfolger wurde der bisherige Stellvertreter Anton Zellner und als dessen Stellvertreter wurde Carl Hochbichler gewählt.

Fortsetzung folgt: Das Feuerwehrgerätehaus am Aegidiplatz
Erstellt unter Einbezug der FESTSCHRIFT anlässlich der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses an der Reichenbachstraße mit Fahnenweihe